Algeriens Parlament hat am Mittwoch einstimmig ein Gesetz verabschiedet, das die französische Kolonialisierung des Landes als Verbrechen einstuft und eine Entschuldigung sowie Reparationen für die Zeit der französischen Herrschaft von 1830 bis 1962 fordert. In der Nationalversammlung in Algier bejubelten die Abgeordneten, mit Schals in den Farben der Nationalflagge geschmückt, unter dem Ruf "Lang lebe Algerien" die Verabschiedung des Gesetzes.
Das Gesetz bekräftigt die rechtliche Verantwortung Frankreichs für seine koloniale Vergangenheit in Algerien und die daraus resultierenden Tragödien, so die staatliche Nachrichtenagentur APS unter Berufung auf Parlamentspräsident Ibrahim Boughali. Der Schritt erfolgt inmitten einer bedeutenden diplomatischen Krise zwischen den beiden Nationen.
Die 132-jährige Herrschaft Frankreichs in Algerien war von weit verbreiteter Gewalt geprägt, darunter Massentötungen und groß angelegte Deportationen. Der Algerienkrieg, der von 1954 bis 1962 dauerte, war besonders brutal und hinterließ ein Erbe von Trauma und Ressentiments. Während die genauen Zahlen umstritten sind, schätzen Historiker, dass Hunderttausende von Algeriern während des Konflikts starben.
Das Erbe des französischen Kolonialismus ist in Algerien und Frankreich nach wie vor ein sensibles und komplexes Thema. Viele Algerier betrachten Frankreichs Handlungen als Verletzung ihrer Souveränität und als Ursache für anhaltende soziale und wirtschaftliche Probleme. In Frankreich wird die koloniale Vergangenheit oft diskutiert, wobei einige die Ungerechtigkeiten anerkennen, während andere die vermeintlichen Vorteile der französischen Herrschaft betonen.
Analysten vermuten, dass das algerische Gesetz zwar weitgehend symbolisch ist, aber ein beträchtliches politisches Gewicht hat. Es spiegelt ein wachsendes Selbstbewusstsein ehemaliger Kolonien wider, die historische Missstände aufarbeiten und Rechenschaft von ihren ehemaligen Herrschern fordern wollen. Ähnliche Bewegungen haben auch in anderen Teilen der Welt an Bedeutung gewonnen, wobei Forderungen nach Wiedergutmachung für Sklaverei und Kolonialismus in der Karibik und in Afrika laut werden.
Die Verabschiedung des Gesetzes könnte die Beziehungen zwischen Algerien und Frankreich, die seit der Unabhängigkeit Algeriens sowohl Phasen der Zusammenarbeit als auch der Spannungen erlebt haben, weiter belasten. Die Forderung nach einer Entschuldigung und Reparationen dürfte in Frankreich auf Widerstand stoßen, wo die Anerkennung kolonialer Verbrechen nach wie vor ein umstrittenes Thema ist. Die langfristigen Auswirkungen des Gesetzes auf die bilateralen Beziehungen bleiben abzuwarten.
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