Eine Hacktivistin hat letzte Woche während eines Vortrags auf dem jährlichen Chaos Communication Congress in Hamburg live auf der Bühne aus der Ferne drei Webseiten von White Supremacists gelöscht. Die Hackerin mit dem Pseudonym Martha Root, die als Pink Ranger aus den Power Rangers verkleidet war, löschte am Ende der Präsentation in Echtzeit die Server von WhiteDate, WhiteChild und WhiteDeal.
Root hielt den Vortrag zusammen mit den Journalisten Eva Hoffmann und Christian Fuchs, die zuvor im Oktober einen Artikel über die gehackten Seiten für die deutsche Wochenzeitung Die Zeit geschrieben hatten. Die Webseiten WhiteDate, die Hoffmann als "ein Tinder für Nazis" bezeichnete, WhiteChild, eine Seite, die vorgab, Spender von weiß-arischem Sperma und Eizellen zu vermitteln, und WhiteDeal, ein Arbeitsmarkt für Rassisten, waren zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels weiterhin offline.
Der Administrator der drei Webseiten bestätigte den Hack auf seinen Social-Media-Konten. "Sie löschen öffentlich alle meine Webseiten, während das Publikum jubelt. Das ist Cyberterrorismus", schrieb der Administrator am Sonntag auf X und schwor Vergeltung. Der Administrator behauptete auch, dass Root sein X-Konto gelöscht habe, bevor es wiederhergestellt wurde.
Die Methode, mit der Root die Seiten lahmlegte, wurde während der Präsentation nicht offengelegt, aber solche Angriffe beinhalten oft die Ausnutzung von Schwachstellen im Code oder der Infrastruktur der Webseiten oder Distributed Denial of Service (DDoS)-Angriffe, die die Server mit Traffic überlasten. Die Aktion wirft Fragen nach der Ethik des Hackens auf, selbst wenn es sich gegen extremistischen Inhalt richtet, und nach dem Eskalationspotenzial im digitalen Bereich.
Die Abschaltung dieser Webseiten unterstreicht den anhaltenden Kampf zwischen Hacktivisten und denjenigen, die online Hassreden verbreiten. Während einige Roots Aktionen als Schlag gegen White Supremacy begrüßen, äußern andere Bedenken hinsichtlich der Rechtmäßigkeit und des Missbrauchspotenzials solcher Taktiken. Der Vorfall unterstreicht auch die Herausforderungen bei der Überwachung von Online-Inhalten und die Rolle der Technologie bei der Bekämpfung von Extremismus.
Die langfristigen Auswirkungen der Abschaltung der Webseiten bleiben abzuwarten. Es ist unklar, ob die Seiten wiederhergestellt werden oder ob der Administrator mit weiteren Maßnahmen rechnen muss. Der Vorfall dürfte die Debatte über die Rolle des Hacktivismus bei der Bekämpfung von Online-Hassreden und die damit verbundenen ethischen Überlegungen weiter anheizen.
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