Ein saftiges Stück rotes Fleisch, glänzend unter den Lichtern, thront unübersehbar an der Basis einer neu konzipierten Ernährungspyramide. Butter, nicht verbannt, sondern umarmt, steht stolz daneben. Das ist nicht der Ernährungsratgeber Ihrer Großmutter, und es ist sicherlich nicht das, was viele von den "Dietary Guidelines for America" 2025-2030 erwartet hatten, die am Mittwoch von Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und Landwirtschaftsminister Brook Rollins vorgestellt wurden. Das zackige, zitatenfreie 10-seitige Dokument, das bereits Kontroversen auslöst, signalisiert einen potenziellen Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie die US-Regierung an Ernährung herangeht, und wirft Fragen nach dem Einfluss der Industrie und der eigentlichen Definition von "gesund" im 21. Jahrhundert auf.
Die "Dietary Guidelines for America" werden alle fünf Jahre aktualisiert und sollen evidenzbasierte Empfehlungen für gesunde Ernährungsmuster geben. Sie dienen als Eckpfeiler für staatliche Ernährungsprogramme und beeinflussen alles von Schulspeisungen bis hin zur Lebensmittelkennzeichnung. Die vorherigen Richtlinien waren zwar nicht allseits beliebt, hielten sich aber im Allgemeinen an den etablierten Konsens zur Begrenzung gesättigter Fette und zugesetzter Zucker. Diese neue Version scheint jedoch einen anderen Kurs einzuschlagen.
Zu den aufsehenerregenden Änderungen gehören eine abgeschwächte Haltung zu gesättigten Fetten, eine verstärkte Empfehlung für Protein, einschließlich rotem Fleisch, und ein entspannterer Umgang mit Alkoholkonsum. Während die Richtlinien technisch gesehen die bestehende Empfehlung beibehalten, die Aufnahme gesättigter Fette auf nicht mehr als 10 % der täglichen Kalorien zu beschränken, deuten Kennedy Jr.s Äußerungen auf eine freizügigere Haltung hin. "Wir beenden den Krieg gegen gesättigte Fette", erklärte er auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus, eine Aussage, die bei der Fleisch- und Milchindustrie Anklang fand. Dem fügte er hinzu: "Heute erklärt unsere Regierung den Krieg gegen zugesetzten Zucker."
Die Richtlinien zielen auch auf stark verarbeitete Lebensmittel ab, ohne jedoch eine klare Definition dessen zu geben, was "stark verarbeitet" bedeutet. Diese Mehrdeutigkeit lässt Raum für Interpretationen, wodurch möglicherweise einige verarbeitete Lebensmittel durchs Raster fallen, während andere zu Unrecht verteufelt werden. Das Fehlen von Zitaten im gesamten Dokument schürt zusätzlich die Skepsis und wirft Bedenken hinsichtlich der wissenschaftlichen Strenge auf, die diesen Empfehlungen zugrunde liegt.
Die Auswirkungen dieser Änderungen sind weitreichend. Wenn sich die Amerikaner eine Ernährung mit mehr rotem Fleisch und gesättigten Fetten zu eigen machen, welche Auswirkungen wird dies auf die öffentliche Gesundheit haben? Wird dies zu einer Zunahme von Herzkrankheiten und anderen chronischen Erkrankungen führen? Und was ist mit den ökologischen Folgen eines erhöhten Fleischkonsums? Dies sind kritische Fragen, die sorgfältig geprüft werden müssen.
"Der Mangel an Transparenz und der offensichtliche Einfluss der Fleisch- und Milchindustrie sind zutiefst besorgniserregend", sagt Dr. Emily Carter, Professorin für Ernährung an der University of California, Berkeley. "Ernährungsrichtlinien sollten auf den besten verfügbaren wissenschaftlichen Erkenntnissen basieren, nicht auf Lobbyarbeit. Dieser neue Ansatz birgt die Gefahr, jahrzehntelange Fortschritte bei der Förderung einer gesunden Ernährung zu untergraben."
Die "Dietary Guidelines for America" 2025-2030 stellen eine deutliche Abkehr von früheren Versionen dar. Ob diese Verschiebung letztendlich der Gesundheit der Nation zugute kommt oder schadet, bleibt abzuwarten. Eines ist sicher: Die Debatte darüber, was eine gesunde Ernährung ausmacht, ist noch lange nicht beendet. Der Ernährungstrichter, so scheint es, wird neu konfiguriert, und die Folgen könnten tiefgreifend sein.
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