Die Kläger, darunter der Abgeordnete Almameh Gibba, argumentieren, dass das Verbot die religiösen und kulturellen Freiheiten einschränkt. Gibba hatte zuvor einen Gesetzentwurf ins Parlament eingebracht, der die Entkriminalisierung von FGM vorsah, der jedoch letztendlich abgelehnt wurde. Die aktuelle juristische Auseinandersetzung folgt auf einen tragischen Vorfall im letzten Jahr, bei dem zwei Säuglinge an Komplikationen im Zusammenhang mit FGM starben.
FGM, bei dem die äußeren weiblichen Genitalien teilweise oder vollständig entfernt werden, ist eine tief verwurzelte kulturelle Praxis in vielen Teilen Afrikas, Asiens und des Nahen Ostens. Laut UNICEF wird geschätzt, dass über 200 Millionen Mädchen und Frauen, die heute leben, irgendeine Form von FGM erfahren haben. In Gambia sind fast 75 % der Frauen beschnitten worden, oft im Säuglingsalter.
Die Praxis wird international als Verletzung der Menschenrechte anerkannt, mit langfristigen physischen und psychischen Folgen für die Opfer. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat FGM verurteilt und dabei auf das Fehlen medizinischer Vorteile und das Potenzial für schwere Gesundheitsprobleme hingewiesen, darunter Infektionen, chronische Schmerzen und Komplikationen bei der Geburt.
Fatou Baldeh, Gründerin der gambischen Rechteorganisation Women in Liberation Leadership, sieht die juristische Auseinandersetzung als Rückschlag für die Frauenrechte im Land. Sie argumentiert, dass das Verbot von FGM entscheidend ist, um Mädchen und Frauen vor Schaden zu bewahren und die Gleichstellung der Geschlechter zu fördern. Aktivisten und Anwälte weltweit haben ihre Besorgnis darüber geäußert, dass der Fall in Gambia einen breiteren Trend widerspiegelt, bei dem Anti-Frauenrechtsbewegungen an Dynamik gewinnen und die Fortschritte bei der Gleichstellung der Geschlechter untergraben.
Die Verhandlung vor dem Obersten Gerichtshof soll diesen Monat fortgesetzt werden. Der Ausgang wird erhebliche Auswirkungen auf die Zukunft der Frauenrechte in Gambia haben und könnte möglicherweise ähnliche Debatten in anderen Ländern beeinflussen, in denen FGM noch immer weit verbreitet ist. Die Verhandlungen werden von internationalen Menschenrechtsorganisationen und Frauenrechtsaktivisten auf der ganzen Welt genau beobachtet.
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