Vogelgrippeviren, die über den bekannten H5N1-Stamm hinausgehen, geben Wissenschaftlern zunehmend Anlass zur Sorge, da sie potenziell mutieren und sich effektiver unter Menschen ausbreiten können. Forscher konzentrieren sich insbesondere auf das H9N2-Virus, einen Subtyp, der zwar bei Geflügel nur leichte Symptome verursacht, aber bei Menschen, insbesondere bei Kindern, zu schwereren Erkrankungen führen kann.
Eine im November von Forschern in Hongkong veröffentlichte Studie ergab, dass H9N2 im Laufe des letzten Jahrzehnts Mutationen erworben hat, die seine Fähigkeit verbessern, sich unter Menschen auszubreiten und schwerere Krankheiten zu verursachen. Seit 1998 wurden zwar weniger als 200 Fälle von H9N2 beim Menschen gemeldet, aber die Zahl steigt, wobei China im letzten Jahr 29 menschliche Fälle meldete, verglichen mit 11 im Jahr 2024.
Dr. Kelvin To, ein klinischer Mikrobiologe, der die November-Studie leitete, glaubt, dass diese Zahlen wahrscheinlich Unterschätzungen sind. Er erklärte, dass viele infizierte Personen nie getestet werden, wodurch sich das Virus unentdeckt ausbreiten kann. Dies verdeutlicht eine entscheidende Herausforderung bei der Verfolgung und Eindämmung des Virus.
Der Anstieg von H9N2 und seine sich entwickelnden Eigenschaften unterstreichen die umfassendere Bedrohung durch aviäre Influenzaviren. Diese Viren, die hauptsächlich Vögel infizieren, können manchmal auf andere Arten, einschließlich des Menschen, überspringen. Der Prozess der Anpassung eines Virus an einen neuen Wirt beinhaltet oft Mutationen, die es ihm ermöglichen, effektiver an Zellen im Atmungssystem des neuen Wirts zu binden.
Wissenschaftler nutzen KI und maschinelles Lernen, um die genetischen Sequenzen dieser Viren zu analysieren, potenzielle Mutationen vorherzusagen und das Risiko einer Übertragung auf den Menschen einzuschätzen. Diese KI-Modelle können Muster in der viralen Evolution erkennen, die mit traditionellen Methoden möglicherweise übersehen werden, und so frühzeitig vor aufkommenden Bedrohungen warnen. Die Auswirkungen auf die Gesellschaft sind erheblich, da das Auftreten eines hochgradig übertragbaren und virulenten aviären Influenzavirus zu einer Pandemie führen könnte, ähnlich der Spanischen Grippe von 1918 oder der jüngeren COVID-19-Pandemie.
Die aktuellen Bemühungen konzentrieren sich auf die Verbesserung der Überwachung von aviären Influenzaviren sowohl bei Geflügel als auch bei Wildvögeln sowie auf die Entwicklung wirksamerer Impfstoffe und antiviraler Behandlungen. Internationale Kooperationen sind ebenfalls entscheidend für den Datenaustausch und die Koordinierung von Reaktionen auf Ausbrüche. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spielt eine Schlüsselrolle bei der Überwachung der globalen Ausbreitung der aviären Influenza und der Bereitstellung von Leitlinien für Länder, wie sie sich auf potenzielle Ausbrüche vorbereiten und darauf reagieren können.
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