Eine Diskrepanz zwischen zwei gängigen Bluttests zur Beurteilung der Nierenfunktion kann auf ein deutlich erhöhtes Risiko für Nierenversagen, Herzerkrankungen und sogar Tod hindeuten. Dies geht aus einer aktuellen globalen Studie von Forschern des NYU Langone Health und der NYU Grossman School of Medicine hervor. Die am 21. Januar 2026 veröffentlichte Studie legt nahe, dass widersprüchliche Ergebnisse von Kreatinin- und Cystatin-C-Werten, beides Marker für die Nierengesundheit, ein frühes Warnsignal für ernsthafte Gesundheitsprobleme sein könnten.
Seit Jahren verwenden Mediziner hauptsächlich Kreatininwerte, um die Nierenfiltrationsrate zu schätzen. Die Studie hebt jedoch hervor, dass das alleinige Verlassen auf Kreatinin wichtige frühe Warnzeichen übersehen kann, insbesondere bei hospitalisierten und älteren Patienten, bei denen Diskrepanzen zwischen den beiden Tests häufiger auftreten.
"Diese Studie unterstreicht die Bedeutung der Berücksichtigung mehrerer Marker bei der Beurteilung der Nierengesundheit", sagte Dr. Sarah Chen, Hauptautorin der Studie und Professorin für Nephrologie an der NYU Grossman School of Medicine. "Eine Abweichung zwischen Kreatinin- und Cystatin-C-Werten sollte nicht ignoriert werden; sie rechtfertigt weitere Untersuchungen."
Die Forschung umfasste eine groß angelegte Analyse von Patientendaten aus mehreren internationalen Kohorten. Die Forscher fanden heraus, dass Personen mit einer signifikanten Diskrepanz zwischen ihren Kreatinin- und Cystatin-C-Ergebnissen ein wesentlich höheres Risiko hatten, ein Nierenversagen zu entwickeln, kardiovaskuläre Ereignisse zu erleiden und eine erhöhte Sterblichkeitsrate aufzuweisen, als Personen mit konsistenten Ergebnissen.
Die Auswirkungen dieser Erkenntnis sind sowohl für die klinische Praxis als auch für die Entwicklung von KI-gestützten Diagnostikwerkzeugen von Bedeutung. Derzeit werden Algorithmen für maschinelles Lernen entwickelt, um Patientendaten zu analysieren und subtile Muster zu identifizieren, die auf eine frühe Nierenfunktionsstörung hindeuten könnten. Diese Algorithmen stützen sich oft auf eine begrenzte Anzahl von Biomarkern, wodurch die Bedeutung von Diskrepanzen zwischen verschiedenen Tests möglicherweise übersehen wird.
"KI hat das Potenzial, die Diagnostik zu revolutionieren, aber es ist entscheidend, dass diese Systeme mit umfassenden Datensätzen trainiert werden und so konzipiert sind, dass sie die Nuancen individueller Patientenprofile erkennen", erklärte Dr. David Lee, ein an der Studie beteiligter Datenwissenschaftler. "Das Ignorieren der Diskrepanz zwischen Kreatinin und Cystatin C könnte zu ungenauen Risikobewertungen und verzögerten Interventionen führen."
Die Studie wirft auch Fragen zur Standardisierung von Nierenfunktionstests auf. Obwohl sowohl Kreatinin als auch Cystatin C weit verbreitet sind, können Variationen in Labormethoden und Referenzbereichen zu Inkonsistenzen in den Ergebnissen beitragen. Es werden Anstrengungen unternommen, um die Testverfahren zu harmonisieren und universelle Standards festzulegen, um die Genauigkeit und Zuverlässigkeit von Nierenfunktionsbeurteilungen zu verbessern.
Mit Blick auf die Zukunft planen die Forscher, die zugrunde liegenden Mechanismen zu untersuchen, die zu der Diskrepanz zwischen Kreatinin und Cystatin C beitragen. Das Verständnis, warum diese beiden Marker divergieren, könnte zur Entwicklung gezielterer Interventionen zur Vorbeugung von Nierenversagen und zur Verbesserung der Patientenergebnisse führen. Das Team arbeitet auch an der Entwicklung von KI-gestützten Tools, die Diskrepanzen zwischen den beiden Tests automatisch erkennen und interpretieren können, um Klinikern rechtzeitig Warnmeldungen und Entscheidungshilfen zu bieten.
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