Forscher am Karolinska-Institut in Schweden untersuchten unter Verwendung von Daten der UK Biobank fünf Dimensionen der Schlafqualität: Chronotyp (Morgentyp oder Abendtyp), Schlafdauer, Schnarchen, Schlaflosigkeit und übermäßige Tagesschläfrigkeit. Etwa neun Jahre nach den ersten Schlafbeurteilungen unterzogen sich die Teilnehmer MRT-Scans, und es wurden Modelle des maschinellen Lernens eingesetzt, um ihr Gehirnalter zu schätzen. Diese Modelle, die auf großen Datensätzen von Gehirnscans trainiert wurden, können das Alter einer Person anhand der strukturellen Eigenschaften ihres Gehirns vorhersagen. Eine signifikante Differenz zwischen dem vorhergesagten Gehirnalter und dem tatsächlichen Alter der Person wurde als Indikator für eine beschleunigte Hirnalterung gewertet.
Abigail Dove, eine Neuroepidemiologin am Karolinska-Institut, erklärte: "Unsere Ergebnisse liefern Beweise dafür, dass schlechter Schlaf zu einer beschleunigten Hirnalterung beitragen kann, und deuten auf Entzündungen als einen der zugrunde liegenden Mechanismen hin." Die Studie legt nahe, dass chronische Entzündungen, die möglicherweise durch schlechten Schlaf ausgelöst werden, ein Schlüsselfaktor für diese beschleunigte Alterung sein könnten.
Der Zusammenhang zwischen Schlaf und Demenz wurde bereits früher festgestellt, aber die neue Forschung verdeutlicht, dass schlechte Schlafgewohnheiten direkt zur Hirnalterung beitragen können und nicht nur ein frühes Symptom von Demenz sind. Diese Unterscheidung ist entscheidend für die Entwicklung präventiver Strategien.
Der Einsatz von maschinellem Lernen in dieser Studie unterstreicht die zunehmende Rolle der künstlichen Intelligenz in der medizinischen Forschung. Diese KI-Modelle können komplexe Datensätze analysieren und Muster erkennen, die mit traditionellen statistischen Methoden möglicherweise übersehen würden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Modelle nur so gut sind wie die Daten, mit denen sie trainiert werden, und dass potenzielle Verzerrungen in den Daten die Ergebnisse beeinflussen könnten.
Die Ergebnisse haben erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit. Die Förderung gesunder Schlafgewohnheiten, wie z. B. die Einhaltung eines regelmäßigen Schlafrhythmus, die Schaffung einer entspannenden Schlafroutine und die Behandlung von Schlafstörungen wie Schnarchen und Schlaflosigkeit, könnte möglicherweise die Hirnalterung verlangsamen und das Risiko eines altersbedingten kognitiven Abbaus verringern. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Mechanismen, durch die schlechter Schlaf das Gehirn beeinflusst, vollständig zu verstehen und gezielte Interventionen zur Verbesserung der Schlafqualität und zum Schutz der Gehirngesundheit zu entwickeln. Zukünftige Studien werden sich wahrscheinlich auf die Identifizierung spezifischer Biomarker der Hirnalterung und die Verfolgung der langfristigen Auswirkungen von Schlafinterventionen auf die kognitive Funktion konzentrieren.
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