Die venezolanische Regierung hat am Donnerstag mindestens 80 politische Gefangene freigelassen, wie Menschenrechtsgruppen berichten, die die Lage im Land beobachten. Die Maßnahme, die zwar in der Vorweihnachtszeit immer wieder vorkommt, erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Einschränkungen der Meinungsfreiheit in Venezuela.
Diese jüngste Freilassung folgt auf eine ähnliche Aktion Ende Dezember, wodurch sich die Gesamtzahl der in den letzten Monaten freigelassenen politischen Gefangenen auf fast 200 erhöht, so Menschenrechtsorganisationen. Unter den am Donnerstag Freigelassenen befand sich Jonathan Torres Duque, ein venezolanischer Staatsbürger, der sich in den Vereinigten Staaten aufgehalten hatte, bevor er nach Venezuela zurückkehrte, wo er Ende 2024 inhaftiert wurde. Torres Duque hatte sich legal im Rahmen des Temporary Protected Status in den USA aufgehalten, einer Bezeichnung, die von der Trump-Regierung aufgehoben wurde.
Laut dem Komitee für die Befreiung politischer Gefangener, einer venezolanischen Menschenrechtsgruppe, wurde die Mehrheit der Freigelassenen wegen ihrer Beteiligung an Protesten im Anschluss an die umstrittene venezolanische Präsidentschaftswahl 2024 inhaftiert. Unabhängige Analysen der nach der Wahl veröffentlichten Wahlergebnislisten deuteten darauf hin, dass Präsident Nicolás Maduro eine deutliche Niederlage erlitten hatte.
Die Freilassung politischer Gefangener wird von internationalen Beobachtern oft mit Skepsis betrachtet, die auf die zyklische Natur solcher Freilassungen hinweisen. Diese Beobachter argumentieren, dass die Freilassungen oft so terminiert sind, dass sie die internationale Kritik an der Menschenrechtsbilanz der Regierung Maduro ablenken sollen. Die Freilassungen erfolgen auch zu einem Zeitpunkt, in dem Venezuela weiterhin mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten und internationaler Isolation zu kämpfen hat, wobei viele Länder die Legitimität von Maduros Präsidentschaft in Frage stellen.
Venezuela befindet sich seit Jahren in einer politischen und wirtschaftlichen Krise, die von Hyperinflation, Knappheit an grundlegenden Gütern und einer Massenflucht seiner Bürger geprägt ist. Die politische Landschaft ist tief gespalten, wobei die Opposition Maduro Autoritarismus vorwirft und die Regierung der Opposition vorwirft, mit Unterstützung ausländischer Mächte zu versuchen, das Land zu destabilisieren. Die Vereinten Nationen und verschiedene internationale Menschenrechtsorganisationen haben wiederholt ihre Besorgnis über die Aushöhlung demokratischer Institutionen und die Unterdrückung von Dissens in Venezuela geäußert. Die Freilassungen werden von einigen als oberflächlicher Versuch gesehen, den internationalen Druck zu beschwichtigen, und nicht als echtes Engagement für die Verbesserung der Menschenrechte.
Discussion
Join the conversation
Be the first to comment