Chemotherapie, bekannt für ihre starken Nebenwirkungen, hat sich laut einer neuen Studie der Universität Lausanne als Auslöser eines überraschenden Abwehrmechanismus gegen die Metastasierung von Krebs erwiesen, indem sie die Darmbakterien verändert. Die am 23. Januar 2026 veröffentlichte Studie zeigt, dass die durch die Chemotherapie verursachte Schädigung der Darmschleimhaut die Nährstoffverfügbarkeit verändert, was zu Veränderungen im Darmmikrobiom und zu einer Zunahme eines bestimmten mikrobiellen Moleküls führt.
Dieses Molekül wandert zum Knochenmark, programmiert die Produktion von Immunzellen um und stärkt die Krebsabwehr, so die Forscher. Die veränderte Immunantwort erschwert es Tumoren, metastatische Stellen zu besiedeln, insbesondere in Organen wie der Leber. Patientendaten deuten darauf hin, dass diese Immunumprogrammierung mit verbesserten Überlebensraten korreliert.
"Wir betrachteten die durch die Chemotherapie verursachten Darmschäden zunächst als rein negative Nebenwirkung", sagte Dr. Elena Ramirez, Hauptautorin der Studie und Professorin für Immunologie an der Universität Lausanne. "Unsere Forschung zeigt jedoch, dass diese Schäden unbeabsichtigt das Immunsystem trainieren können, die Ausbreitung von Krebs besser zu bekämpfen."
Die Studie unterstreicht das komplexe Zusammenspiel zwischen dem Darmmikrobiom, dem Immunsystem und der Krebsbehandlung. Das Darmmikrobiom, eine riesige Gemeinschaft von Mikroorganismen, die im Verdauungstrakt leben, spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulierung der Immunfunktion. Die Auswirkungen der Chemotherapie auf dieses empfindliche Ökosystem können weitreichende Folgen haben, sowohl positive als auch negative.
Die Forscher nutzten fortschrittliche KI-gestützte Metagenom-Sequenzierung, um die Veränderungen in der Zusammensetzung der Darmbakterien nach einer Chemotherapie zu analysieren. Dieser KI-gesteuerte Ansatz ermöglichte es ihnen, das spezifische mikrobielle Molekül zu identifizieren, das für die Immunumprogrammierung verantwortlich ist. Die KI-Algorithmen wurden mit riesigen Datensätzen von Mikrobiomprofilen und Immunzellreaktionen trainiert, wodurch die Forscher die wichtigsten Interaktionen ermitteln konnten.
Die Implikationen dieser Forschung reichen über die traditionelle Krebsbehandlung hinaus. Indem sie verstehen, wie die Chemotherapie das Darmmikrobiom umformt, um die Anti-Krebs-Immunität zu verbessern, können Wissenschaftler möglicherweise neue therapeutische Strategien entwickeln, die die Kraft des Mikrobioms zur Krebsbekämpfung nutzen. Dies könnte die Entwicklung gezielter Präbiotika oder Probiotika beinhalten, um das Wachstum von nützlichen Bakterien zu fördern, die Anti-Tumor-Immunantworten stimulieren.
"Diese Forschung eröffnet aufregende neue Wege für die Krebsimmuntherapie", sagte Dr. Ramirez. "Durch die Manipulation des Darmmikrobioms können wir möglicherweise die Wirksamkeit bestehender Krebsbehandlungen verbessern und neuartige Therapien entwickeln, die die Metastasierung verhindern oder verzögern."
Experten warnen jedoch davor, dass weitere Forschung erforderlich ist, um die langfristigen Auswirkungen der durch die Chemotherapie verursachten Veränderungen des Mikrobioms vollständig zu verstehen. Während die Studie einen positiven Zusammenhang zwischen Immunumprogrammierung und Überlebensraten nahelegt, ist es wichtig zu beachten, dass die Chemotherapie auch schädliche Auswirkungen auf das Darmmikrobiom haben kann, was möglicherweise zu anderen gesundheitlichen Komplikationen führt.
Das Forschungsteam führt derzeit klinische Studien durch, um das Potenzial von Mikrobiom-modulierenden Therapien zur Verbesserung der Ergebnisse der Krebsbehandlung zu untersuchen. Sie erforschen auch den Einsatz von KI-gestützten Diagnosewerkzeugen, um Patienten zu identifizieren, die am wahrscheinlichsten von diesen Therapien profitieren werden. Ziel ist es, personalisierte Krebsbehandlungen zu entwickeln, die die einzigartigen Eigenschaften des Darmmikrobioms jedes Patienten berücksichtigen.
Discussion
Join the conversation
Be the first to comment