Europäische Staats- und Regierungschefs, darunter solche aus Frankreich und Deutschland, entwickeln einen Notfallplan als Reaktion auf mögliche US-amerikanische Maßnahmen zur Beschlagnahmung Grönlands, ein Schritt, der die bestehenden Spannungen verschärfen würde. Der französische Außenminister Jean-Noel Barrot erklärte am Mittwoch auf France Inter Radio, dass diese Nationen gemeinsam mit europäischen Partnern handeln wollen, falls die USA versuchen sollten, die Kontrolle über Grönland von Dänemark, einem wichtigen Verbündeten, zu übernehmen.
Das potenzielle Interesse der USA an Grönland rührt von seiner strategischen Lage und seinen reichen natürlichen Ressourcen her. Während des Kalten Krieges erkannten die USA die Bedeutung Grönlands für die Verteidigung und errichteten die Thule Air Base, einen wichtigen Radarstützpunkt zur Frühwarnung. In jüngerer Zeit hat der Mineralienreichtum der Insel, einschließlich seltener Erden, die für moderne Technologien unerlässlich sind, Aufmerksamkeit erregt.
Die dänische Regierung, die die Souveränität über Grönland innehat, hat sich in der Vergangenheit äußeren Einflüssen hinsichtlich der Autonomie der Insel widersetzt. Grönland verfügt über eine bedeutende Selbstverwaltung und verwaltet seine inneren Angelegenheiten, während Dänemark die Außen- und Verteidigungspolitik übernimmt. Jeder Versuch der USA, Grönland zu beschlagnahmen, würde als Verletzung der dänischen Souveränität und als Herausforderung der etablierten internationalen Ordnung angesehen.
Die Situation erinnert an historische Fälle von Gebietsstreitigkeiten und Ressourcenwettbewerb. Insbesondere die Arktis ist zu einem Brennpunkt geopolitischer Interessen geworden, da schmelzende Eiskappen neue Schifffahrtswege und den Zugang zu unerschlossenen Ressourcen eröffnen. Länder wie Russland, Kanada und Norwegen haben ebenfalls ihre Interessen in der Arktis geltend gemacht, was zu einer verstärkten militärischen Präsenz und diplomatischen Manövern geführt hat.
Die Äußerungen des französischen Außenministers folgen auf eine Reihe von Berichten, die auf ein erneutes Interesse der USA an Grönland unter der derzeitigen Regierung hindeuten. "Ich selbst war gestern mit dem US-Außenminister Marco Rubio am Telefon", sagte Barrot und fügte hinzu, dass Rubio "die Idee verworfen hat, dass das, was gerade in Venezuela passiert ist, in Grönland passieren könnte". Das US-Außenministerium hat sich noch nicht offiziell zu den von europäischen Staaten entwickelten Notfallplänen geäußert. Die dänische Regierung hat sich noch nicht formell zu den Berichten geäußert, wird die Angelegenheit aber voraussichtlich über diplomatische Kanäle ansprechen.
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