Tausende Bewohner der Makoko-Gemeinde in Lagos, Nigeria, wurden obdachlos, nachdem eine von der Regierung angeführte Zwangsräumung Ende Dezember 2025 begann und bis Freitag, den 16. Januar 2026, andauerte. Gemeindeoberhäupter in Makoko, einer Fischersiedlung aus dem 19. Jahrhundert, die oft als "Venedig Nigerias" bezeichnet wird, und zwei angrenzenden Siedlungen in der Lagune von Lagos schätzten, dass mindestens 10.000 Menschen ihr Zuhause verloren, als Bagger Gebäude abrissen.
Laut Angaben von Gemeindeoberhäuptern in Makoko und humanitären Organisationen starben mindestens vier Menschen während des Abrissverfahrens. Zu diesen Todesfällen gehörten angeblich zwei Säuglinge und eine 70-jährige Frau, die laut Gemeindeoberhäuptern an Atemwegsproblemen litt, nachdem Tränengas eingesetzt worden war, um Familien zu zerstreuen, die versuchten, ihre Wohnungen zu schützen. Ein Sprecher der Regierung des Bundesstaates Lagos lehnte eine Stellungnahme zu den Berichten über Todesfälle ab und verwies stattdessen auf frühere Nachrichtenberichte, in denen die Position der Regierung dargelegt wurde, dass der Abriss notwendig sei.
Die Regierung des Bundesstaates Lagos hat zuvor erklärt, dass die Abrisse Teil eines umfassenderen Stadterneuerungsprojekts sind, das darauf abzielt, Umwelt- und Sanitärprobleme innerhalb der Lagunengemeinden anzugehen. Beamte argumentieren, dass es den informellen Siedlungen an angemessener Infrastruktur mangele und sie zur Umweltverschmutzung beitragen, was ein Gesundheitsrisiko für die Bewohner darstelle und die wirtschaftliche Entwicklung des Gebiets behindere. Kritiker argumentieren jedoch, dass die Regierung keine angemessenen Umsiedlungspläne oder Entschädigungen für die Vertriebenen bereitgestellt hat, wodurch Tausende schutzlos und ohne Unterkunft dastehen.
Makoko, das größtenteils auf Stelzen über der Lagune von Lagos errichtet wurde, blickt auf eine lange Geschichte informeller Besiedlung und Fischerei zurück. Seine einzigartige aquatische Umgebung hat es zu einem beliebten Motiv für Fotografen und zu einem Symbol für Widerstandsfähigkeit angesichts städtischer Herausforderungen gemacht. Die Gemeinde war jedoch aufgrund ihres informellen Status und des Wunsches der Regierung, die Stadt zu modernisieren, auch immer wieder von Zwangsräumungen bedroht.
Die aktuelle Situation der Vertriebenen ist weiterhin prekär. Humanitäre Organisationen arbeiten daran, Nothilfe zu leisten, einschließlich Nahrungsmittel, Wasser und medizinische Versorgung. Die langfristigen Auswirkungen der Abrisse auf das soziale Gefüge und die wirtschaftliche Stabilität der Gemeinde sind noch nicht absehbar. Weitere Entwicklungen werden erwartet, da sich Gemeindeoberhäupter und Menschenrechtsorganisationen weiterhin für die Rechte der Vertriebenen einsetzen und Rechtsmittel einlegen.
Discussion
Join the conversation
Be the first to comment