Die Gesundheitsbehörden in Guinea-Bissau haben eine von den USA finanzierte Studie zu einem Hepatitis-B-Impfstoff ausgesetzt, nachdem Fragen zur Autorität über klinische Forschung in Afrika aufkamen. Beamte des Gesundheitsministeriums von Guinea-Bissau gaben die Aussetzung auf einer Pressekonferenz bekannt und erklärten, dass die Studie einer technischen und ethischen Überprüfung durch das nationale Institut für öffentliche Gesundheit des Landes unterzogen werde.
Der Ankündigung gingen wochenlange widersprüchliche Signale bezüglich der Fortsetzung der Studie voraus. "Es gab keine ausreichende Koordination, um eine endgültige Entscheidung bezüglich der Studie zu treffen", sagte Quinhin Nantote, der Gesundheitsminister von Guinea-Bissau. "Angesichts dieser Situation haben wir beschlossen, sie auszusetzen."
Das Treffen, auf dem die Aussetzung bekannt gegeben wurde, wurde von den Africa Centres for Disease Control and Prevention (Africa CDC) einberufen. Letzte Woche signalisierte ein Beamter der Organisation, dass die Studie nicht fortgesetzt werde.
Das Kernproblem dreht sich um den wahrgenommenen Mangel an Koordination und Transparenz bei der Planung und Durchführung der Studie. Einige afrikanische Wissenschaftler haben Bedenken hinsichtlich der ethischen Implikationen von Forschungsprojekten geäußert, die von ausländischen Einrichtungen finanziert und geleitet werden, insbesondere hinsichtlich des Grades der lokalen Beteiligung an Entscheidungsprozessen. Die spezifischen Details der von den USA finanzierten Hepatitis-B-Impfstoffstudie, einschließlich der Details zum Impfstoffprodukt und des Studienprotokolls, wurden in öffentlichen Erklärungen nicht vollständig offengelegt, was zu der Kontroverse beiträgt.
Hepatitis B ist eine Virusinfektion, die die Leber angreift und sowohl akute als auch chronische Erkrankungen verursachen kann. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass im Jahr 2019 296 Millionen Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B-Infektion lebten, wobei jedes Jahr 1,5 Millionen Neuinfektionen hinzukommen. Eine wichtige Präventivmaßnahme ist die Impfung, die in der Regel kurz nach der Geburt verabreicht wird. Guinea-Bissau plant, im Jahr 2027 eine allgemeine Geburtsimpfung gegen Hepatitis B einzuführen.
Die Aussetzung der Studie wirft umfassendere Fragen zur Durchführung klinischer Forschung in Afrika und zur Notwendigkeit einer stärkeren Zusammenarbeit und Gleichberechtigung bei globalen Gesundheitsinitiativen auf. Die Africa CDC arbeitet daran, die Kapazitäten afrikanischer Länder zur Durchführung und Überwachung klinischer Studien zu stärken, um sicherzustellen, dass die Forschung mit den lokalen Prioritäten und ethischen Standards übereinstimmt.
Die technische und ethische Überprüfung durch das nationale Institut für öffentliche Gesundheit von Guinea-Bissau wird über die Zukunft der Studie entscheiden. Es wird erwartet, dass die Überprüfung den wissenschaftlichen Wert der Studie, ethische Erwägungen und die Übereinstimmung mit den nationalen Gesundheitsprioritäten bewertet. Das Ergebnis der Überprüfung wird wahrscheinlich zukünftige Kooperationen zwischen Guinea-Bissau und internationalen Forschungspartnern beeinflussen.
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