Nawal Al-Maghafi, eine Mutter im Jemen, ertrug sieben Monate qualvollen Schweigens. Ihr Sohn war, wie unzählige andere, in den Schatten des brutalen Bürgerkriegs im Jemen verschwunden, verschluckt von einem Netzwerk geheimer Gefängnisse, die angeblich von den Vereinigten Arabischen Emiraten und verbündeten Streitkräften betrieben werden. Ihre verzweifelte Suche nach Antworten führte sie zu einer Wahrheit, die weitaus beunruhigender war, als sie sich hätte vorstellen können: eine verborgene Welt des Leidens und der Misshandlung in ihrem eigenen vom Krieg zerrissenen Land.
Der jahrzehntelange Bürgerkrieg im Jemen ist ein komplexes Geflecht aus regionalen Rivalitäten und internationalen Interessen. Der Konflikt stellt die Houthi-Rebellenbewegung, die den Nordwesten kontrolliert, gegen die international anerkannte jemenitische Regierung, die von Saudi-Arabien unterstützt wird. Jahrelang waren die VAE, ein wichtiger Golfstaatenpartner Saudi-Arabiens, ebenfalls mit der jemenitischen Regierung verbündet. Dieses Bündnis ist jedoch zerbrochen, was ein Machtvakuum hinterlässt und die ohnehin schon fragile Nation weiter destabilisiert. Der militärische Rückzug der VAE Anfang Januar hat dem Konflikt eine weitere Ebene der Komplexität hinzugefügt und Fragen über die Zukunft des Jemen und das Schicksal derer aufgeworfen, die zwischen die Fronten geraten sind.
Eine BBC-Untersuchung hat Beweise aufgedeckt, die langjährige Vorwürfe über diese geheimen Gefängnisse bestätigen. Der Zugang zu Hafteinrichtungen auf ehemaligen Militärstützpunkten der VAE im Jemen enthüllte eine düstere Realität. An einem Standort dienten Schiffscontainer als provisorische Zellen, die wenig Belüftung boten und bis zu 60 Männer beherbergten, so ehemalige Häftlinge. Das BBC-Team sah diese Container mit Namen und Daten, die in das Metall geritzt waren – stumme Zeugnisse der darin festgehaltenen Gefangenen.
Ein ehemaliger Häftling berichtete von erschütternden Erfahrungen mit Schlägen und sexuellem Missbrauch innerhalb der Gefängnismauern. Diese Vorwürfe, die sich nur schwer unabhängig überprüfen lassen, zeichnen ein beunruhigendes Bild der Zustände in diesen Einrichtungen. Die VAE haben nicht auf Anfragen zur Stellungnahme zu den Ergebnissen der BBC reagiert, haben aber ähnliche Anschuldigungen bereits zurückgewiesen.
Die Existenz dieser geheimen Gefängnisse wirft ernsthafte Fragen nach Rechenschaftspflicht und Menschenrechten im Kontext des jemenitischen Konflikts auf. Das Völkerrecht verbietet Folter und andere Formen der Misshandlung, unabhängig von den Umständen. Die Vorwürfe gegen die VAE und ihre verbündeten Streitkräfte erfordern eine gründliche und unparteiische Untersuchung, um sicherzustellen, dass die Verantwortlichen für jegliche Missbräuche zur Rechenschaft gezogen werden.
Die Enthüllungen verdeutlichen auch die verheerenden Auswirkungen des jemenitischen Bürgerkriegs auf die einfachen Bürger. Familien werden auseinandergerissen, Gemeinschaften zerstört und die Rechtsstaatlichkeit untergraben. Der Konflikt hat eine humanitäre Krise von immensem Ausmaß verursacht, in der Millionen von Jemeniten mit Hunger, Krankheit und Vertreibung konfrontiert sind.
Das zerbrochene Bündnis zwischen Saudi-Arabien und den VAE verkompliziert die Situation zusätzlich. Mit dem militärischen Rückzug der VAE ist die jemenitische Regierung geschwächt und verwundbar. Die Houthi-Rebellen, ermutigt durch ihre Erfolge, stellen weiterhin eine erhebliche Bedrohung dar. Die Zukunft des Jemen bleibt ungewiss, aber eines ist klar: Ein dauerhafter Frieden kann nur durch eine umfassende politische Lösung erreicht werden, die die Ursachen des Konflikts angeht und die Menschenrechte aller Jemeniten respektiert. Die internationale Gemeinschaft muss ihre Bemühungen verstärken, eine friedliche Lösung zu unterstützen und sicherzustellen, dass die Verantwortlichen für Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen vor Gericht gestellt werden. Nur dann kann der Jemen nach Jahren des verheerenden Konflikts beginnen, zu heilen und wiederaufzubauen.
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