Analysten legen nahe, dass ein schneller und entschlossener US-Militärschlag gegen den Iran, der oft als Katalysator für einen Regimewechsel gesehen wird, aufgrund der komplexen und tief verwurzelten Natur des iranischen politischen Systems wahrscheinlich nicht das beabsichtigte Ergebnis erzielen wird. Die Vorstellung, dass ein einziger, dramatischer externer Schlag zum Zusammenbruch der Islamischen Republik führen könnte, sei eine Fehlinterpretation ihrer Überlebensmechanismen, so Andreas Krieg in einem Beitrag für AFP.
Krieg argumentiert, dass die Stärke des Iran in seiner "koerzitiven Kohäsion" liege, der Fähigkeit seiner parallelen Sicherheits- und politischen Institutionen, die Einheit aufrechtzuerhalten, selbst wenn die öffentliche Legitimität schwindet. Diese Kohäsion ermöglicht es dem System, Schocks zu überstehen, die konventionellere Staaten destabilisieren würden.
Der iranische Staat ist keine monolithische Struktur mit einem einzigen Schwachpunkt, sondern ein "heterarchischer, vernetzter Staat", der sich aus überlappenden Machtzentren zusammensetzt, darunter das Büro des Obersten Führers, die Revolutionsgarden, Geheimdienste, Kleriker und eine auf Patronage basierende Wirtschaft. Diese diffuse Machtstruktur macht es schwierig, das Regime mit einem einzigen Schlag zu lähmen.
Die gegenwärtigen Unruhen im Iran, die von weit verbreiteten Protesten gegen die Führung geprägt sind, könnten die Illusion von Verwundbarkeit erwecken. Die Geschichte deutet jedoch darauf hin, dass autoritäre Regime oft gerade dann am stabilsten erscheinen, wenn bedeutende Veränderungen bevorstehen. Die Islamische Republik hat bewiesen, dass sie internen Dissens und externen Druck durch eine Kombination aus Repression und strategischem Manövrieren absorbieren kann.
Aus internationaler Sicht würde ein US-Angriff auf den Iran wahrscheinlich mit Besorgnis betrachtet werden und die ohnehin schon volatile Region des Nahen Ostens destabilisieren. Wichtige globale Akteure, darunter europäische Nationen, Russland und China, haben Bedenken gegen eine militärische Intervention im Iran geäußert und befürchten einen größeren Konflikt und eine Störung der Energieversorgung.
Darüber hinaus müsste jede US-Militäraktion die Möglichkeit iranischer Vergeltungsmaßnahmen berücksichtigen, die Angriffe auf US-Vermögenswerte in der Region, die Unterstützung von Stellvertretergruppen und die Störung internationaler Schifffahrtswege umfassen könnten. Die Folgen eines solchen Konflikts könnten weit über die Grenzen des Iran hinausgehen und die globale Sicherheit und wirtschaftliche Stabilität beeinträchtigen.
Die aktuelle Situation bleibt angespannt, da die USA eine militärische Präsenz in der Region aufrechterhalten und der Iran sein Atomprogramm weiterentwickelt. Die diplomatischen Bemühungen zur Deeskalation der Spannungen und zur Wiederbelebung des iranischen Atomabkommens sind ins Stocken geraten, was Bedenken hinsichtlich einer möglichen weiteren Eskalation aufwirft. Die zukünftige Entwicklung der Beziehungen zwischen den USA und dem Iran bleibt ungewiss, aber Analysten warnen vor simplen Annahmen über die Leichtigkeit, einen Regimewechsel durch militärische Gewalt zu erreichen.
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