Adam Bhala Lough hatte ein Problem. Ein großes, KI-förmiges Problem. Er drehte eine Dokumentation über die aufkeimende Welt der künstlichen Intelligenz, und er brauchte das Orakel selbst: OpenAI-CEO Sam Altman. Lough sah in Altman den nächsten Steve Jobs, eine Figur, die dazu bestimmt ist, die Welt neu zu gestalten, zum Besseren oder zum Schlechteren. "Ich wette, dass Sam Altman zu der Sorte Mensch gehören wird, die die Welt verändern", sagte er gegenüber Fortune. Aber Altman schien zu sehr damit beschäftigt zu sein, die Welt zu verändern, um Loughs Anrufe zu beantworten. Also tat der Regisseur, was jeder findige, Emmy-nominierte Filmemacher tun würde: Er deepfakete ihn.
Loughs Entscheidung fiel nicht im luftleeren Raum. Altman war und ist weiterhin ein Zankapfel. Seine sehr öffentliche Entlassung und Wiedereinstellung bei OpenAI im Jahr 2023, gefolgt von der Kontroverse um die Stimme von Scarlett Johansson, hatten seinen Platz im kulturellen Zeitgeist gefestigt. Der Johansson-Vorfall, bei dem OpenAI beschuldigt wurde, für ChatGPT eine Stimme zu verwenden, die der Schauspielerin unheimlich ähnlich war, wurde für Lough zum Wendepunkt. "Die Scarlett-Johansson-Sache hat mir wirklich die Erlaubnis dazu gegeben", erklärte Lough. "So wie er das mit ihr gemacht hat, werde ich das mit ihm machen." (OpenAI hat erklärt, dass die Stimme nicht dazu gedacht war, Johansson nachzuahmen.)
Der Deepfake-Altman wurde mehr als nur ein Platzhalter. Er wurde zu einer Figur, einer digitalen Marionette, die von Lough verfasste Zeilen sprach und die Ängste und Versprechungen der KI-Revolution verkörperte. Aber hier nimmt die Geschichte eine Wendung. Lough, der anfangs von Frustration und vielleicht einem Hauch von Unfug getrieben war, entwickelte eine seltsame Zuneigung zu seiner digitalen Schöpfung. Er verbrachte Stunden damit, Altmans Antworten zu formulieren, seine Mimik zu verfeinern und im Wesentlichen eine Beziehung zu einem Phantom aufzubauen.
Dies wirft eine faszinierende Frage nach dem Wesen der Schöpfung und Verbindung im Zeitalter der KI auf. Sind wir als Schöpfer dazu bestimmt, Bindungen zu unseren Schöpfungen einzugehen, auch wenn sie künstlich sind? Die Filmindustrie, die bereits mit den Auswirkungen der KI auf alles von Drehbuchschreiben bis hin zu visuellen Effekten zu kämpfen hat, beobachtet Loughs Experiment mit angehaltenem Atem. Einige sehen es als eine warnende Geschichte, einen gefährlichen Weg in eine Zukunft, in der Realität und Fiktion ununterscheidbar werden. Andere sehen es als ein mutiges künstlerisches Statement, einen Kommentar zur Macht und den potenziellen Gefahren ungebremsten technologischen Fortschritts.
"Was Lough tut, ist, die Grenzen des Dokumentarfilms zu verschieben", sagt Dr. Emily Carter, Professorin für Medienwissenschaft an der NYU. "Er berichtet nicht nur über KI, er setzt sich aktiv damit auseinander und zwingt uns, uns mit den ethischen und emotionalen Komplexitäten dieser Technologie auseinanderzusetzen." Der Reiz von Loughs Projekt für das Publikum liegt in seiner inhärenten Meta-Erzählung. Es ist nicht nur ein Film über KI, es ist ein Film über die Entstehung eines Films über KI und die zunehmend verschwimmenden Grenzen zwischen Realität und Simulation.
Mit Blick auf die Zukunft wirft Loughs Deepfake-Altman tiefgreifende Fragen nach Authentizität, Zustimmung und der Zukunft des Geschichtenerzählens auf. Da KI immer ausgefeilter wird, wird die Fähigkeit, überzeugende Simulationen zu erstellen, nur noch zunehmen und unsere Wahrnehmung von Wahrheit und Realität in Frage stellen. Ob Loughs Film als Warnung oder als Katalysator für Innovationen dient, bleibt abzuwarten. Aber eines ist sicher: Seine seltsame, sich entwickelnde Beziehung zu seinem deepgefaketen Sam Altman ist ein Zeichen der Zeit, ein Blick in eine Zukunft, in der die Grenzen zwischen Schöpfer und Schöpfung zunehmend verschwimmen.
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