Europäische und südamerikanische Beamte unterzeichneten am Samstag ein bedeutendes Freihandelsabkommen und schufen damit nach 25 Jahren Verhandlungen eine der größten Freihandelszonen der Welt. Das Abkommen, das zwischen der 27 Nationen umfassenden Europäischen Union und dem südamerikanischen Mercosur-Block – bestehend aus Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – geschlossen wurde, zielt darauf ab, Zölle zu senken und den Handel zwischen den beiden Regionen zu intensivieren.
Das Abkommen bedarf nun der Zustimmung des Europäischen Parlaments und der Ratifizierung durch die Parlamente der Mercosur-Mitgliedsstaaten. Nach der Genehmigung würden die Zölle auf eine breite Palette von Gütern, von Automobilen bis hin zu landwirtschaftlichen Produkten, abgeschafft, was potenziell das Wirtschaftswachstum in beiden Regionen ankurbeln würde.
Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und der paraguayische Präsident Santiago Pena begingen die Unterzeichnung in Asuncion, Paraguay. Die EU betrachtet das Abkommen inmitten wachsender globaler Handelsspannungen und Unsicherheit hinsichtlich der internationalen Zusammenarbeit als ihr bisher größtes Handelsabkommen.
Die Verhandlungen über das EU-Mercosur-Handelsabkommen begannen 1999, stießen jedoch auf zahlreiche Hindernisse, darunter Bedenken hinsichtlich Agrarsubventionen, Umweltvorschriften und Menschenrechte. Europäische Landwirte, insbesondere in Irland, haben sich stark dagegen ausgesprochen und befürchten einen verstärkten Wettbewerb durch südamerikanische Agrarimporte. Umgekehrt haben die Mercosur-Länder einen besseren Zugang zu den europäischen Märkten für ihre landwirtschaftlichen Produkte und Industriegüter angestrebt.
Das Abkommen spiegelt einen breiteren Trend wider, dass Nationen regionale Handelsabkommen anstreben, um auf die ins Stocken geratenen Fortschritte in der Welthandelsorganisation und den zunehmenden Protektionismus zu reagieren. Es unterstreicht auch das strategische Interesse der EU an der Stärkung der Beziehungen zu Lateinamerika als Gegengewicht zum wachsenden Einfluss Chinas in der Region.
Der Ratifizierungsprozess wird voraussichtlich komplex und langwierig sein und Raum für weitere Debatten und Überarbeitungen bieten. Das Europäische Parlament wird die Bestimmungen des Abkommens über Umweltschutz, Arbeitsnormen und Menschenrechte prüfen, bevor es über seine Genehmigung abstimmt. Die Parlamente der Mercosur-Mitgliedsstaaten werden ebenfalls eigene Überprüfungen und Ratifizierungen durchführen.
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